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Fußball verbindet: Nationalität war für Stunden Normalität

Erstes Fußballturnier für und mit Flüchtlingen wurde zu einem grandiosen Erfolg

Selten weiß man schon vor einem sportlichen Wettbewerb, wer Sieger wird. Beim ersten Benefiz-Hallen-Fußballturnier mit und für Flüchtlinge standen die Gewinner in der Burghalle schon vor der Eröffnung durch den Schirmherrn, Oberbürgermeister Wolfgang Treis, fest. Und das waren in erster Linie diejenigen, welche die Idee zu dieser beispielhaften Veranstaltung hatten und diese dann in hervorragender Teamarbeit nach etlichen Wochen der Vorbereitung zu einem tollen Erfolg führten. Es waren aber in gleichem Maße auch die Beteiligten – angefangen bei den vielen freiwilligen Helfern, der Turnierleitung, den Schiedsrichtern und den Sanitätern bis hin zu den rund hundert Fußballern, die in zwölf Mannschaften auf Torejagd gingen, dabei nie die Grenzen der sportlichen Fairness überschritten und in mehr als fünf Stunden im Sport eine gemeinsame Sprache fanden.

Der sportliche Aspekt spielte bei dem gut besuchten Hallenevent zwar auch eine Rolle, aber keineswegs die dominierende. Im Vordergrund stand die Begegnung. Oder wie es Hermann-Josef Dötsch, der Ideengeber für das Turnier, ausdrückte: „Mit vielen bunten Bildern wollten wird eine deutliche Außenwirkung erzielen, und ich bin mir sicher: Das ist uns auch gelungen. Besonders freut mich, dass die DJK Mayen ihrer Funktion als Motor für Integration gerecht wurde.“ Schon vor dem ersten Anstoß und noch viel mehr bei der Siegerehrung war Walter Merten, dem Vorsitzenden des Fußballkreises Rhein/Ahr, der zusammen mit dem Förderverein „Fußballer helfen“ die Ausrichtung übernommen hatte, die Freude ins Gesicht geschrieben: „Das war ein sehr schöner Tag mit Eindrücken, die haften bleiben und nach einer Wiederholung rufen. Übrigens will dann auch der OB mit einer Mannschaft der Stadtverwaltung dabei sein“, verriet er.

Hamid Rostamzada, Integrationsbeauftragter im Fußballkreis und mit Raduan Fatine nicht nur als Dolmetscher tätig, sondern auch das Bindeglied zwischen den deutschen und ausländischen Sportlern, wünscht sich eine ähnliche Veranstaltung für Jugendliche. „Beim Sport können die Flüchtlinge mal abschalten, das ist wie Balsam für ihre geschundenen Seelen.“ Schwester Gina von der Pfarreiengemeinschaft Mayen sieht im Fußball „einen idealen Weg, um intensiv zu kommunizieren. Sie sprach sogar vom Sport als gemeinsame Sprache. In die gleiche Kerbe schlug Arbeitsministerin Andrea Nahles, die sich nach ihrer Stippvisite die Kappe aufsetzte, die alle Teilnehmer später als Erinnerung an das Turnier ausgehändigt bekamen: „Ich bin mir sicher, dass Fußball einen wertvollen Beitrag zur Integration leistet, weil er Menschen verschiedener Herkunft verbindet.“ Arif Hajjaj, Chef des Deutsch-Arabischen Kulturvereins, der nicht nur Hauptnutznießer der Benefiz-Veranstaltung sein wird, sondern auch tatkräftig zum Gelingen beigetragen hat, war äußerst zufrieden. Dies auch vor dem Hintergrund, „dass alles in friedlichen Bahnen ablief und sich Menschen aus drei Kontinenten nahe gekommen sind.“

Um den teilweise weit angereisten Fußballern auch genügend Spielzeit zu ermöglichen, absolvierten die zwölf Teams in zwei Sechsergruppen jeweils fünf achtminütige Partien. Etliche davon waren geprägt von hoher Impulsivität, von Emotionen und ungebremstem Eifer, andere wiederum verliefen in sehr ruhigen Bahnen. Das hatte seinen Grund in der unterschiedlichen Mentalität. Während es die Lehrer der IGS Maifeld eher ruhig angehen ließen und damit immerhin ins Finale einzogen, legten die Akteure aus der VG Vordereifel los wie die Feuerwehr und hatten auch im Endspiel noch genügend Puste, um sich mit einem 1:0 Platz eins zu sichern. Die weitere Rangfolge wurde per Siebenmeterschießen ermittelt: Dritter wurde Sparparadies Neuwied durch ein 2:0 gegen DJK Mayen, Platz fünf ging an den Kulturverein, der dank seinem Keeper Hamid Rostamzada ebenfalls 2:0 gegen FC Flüchtlinge gewann. Weiterhin mit von der Partie waren noch diese Teams: Lebenshilfe A und B, Vive Algerie, VG Adenau, Andernacher Somalia und Sporting Freitag. Übrigens waren etwa 80 Prozent der Kicker Nichtdeutsche, mehr als zehn interessierte Flüchtlinge wurden vorher auf die einzelnen Mannschaften verteilt. „Auch das hat prima geklappt und geschah in unserem Sinne“, betonte Raduan Fatine.

Text: Hans-Josef Schneider