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Startschuss für Spitzengespräche zwischen Sport und Kirche in Rheinland-Pfalz

Landessportbund und Kirchen plädieren für mehr Sonntagsschutz

Von Michael Heinze, Landessportbund Rheinland-Pfalz

Erstmals haben sich in Rheinland-Pfalz Vertreter aus Kirche und Sport zu einem Spitzengespräch getroffenen. Am Montagabend (28. Oktober) betonten die rund ein Dutzend Teilnehmer aus dem Landessportbund, den katholischen Bistümern und den evangelischen Kirchen des Bundelandes in Mainz ihre gemeinsame Verantwortung für die Gesellschaft und forderten einen besseren Schutz des Sonntags. Die Sonn- und Feiertage dienten der Verfassung nach „der seelischen Erhebung“. Dazu könnten Sportangebote der Vereine und Besuche der Gottesdienste in den Kirchengemeinden auf je eigene Weise beitragen. Ökonomische Zwänge und Auswüchse bei den Ladeöffnungszeiten dürften nicht dazu führen, die Sonn- und Feiertagsruhe weiter auszuhöhlen. Neben dem Thema Sonntagsschutz standen Fragen nach dem Ehrenamt und eine bessere Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung auf der Tagesordnung. Die Begegnungen sollen in Zukunft regelmäßig stattfinden.

Zum Landessportbund Rheinland-Pfalz gehören rund 6000 Vereine mit etwa 1,6 Millionen Mitgliedern. Die am Treffen beteiligten Landeskirchen und Bistümer, deren Gebiet auch über das Bundesland Rheinland-Pfalz hinausreicht, repräsentieren insgesamt knapp 8 Millionen evangelische und katholische Gläubige. An dem Spitzentreffen nahmen neben der Präsidentin des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, Karin Augustin, unter anderem der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, der stellvertretende Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Gottfried Müller, der Vizepräsident der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Johann Weusmann, der Weihbischof des Bistums Trier, Jörg Michael Peters sowie der Domkapitular des Bistums Speyer, Franz Vogelgesang und Dr. Beate Gilles, Dezernentin im Bistum Limburg, teil.


Begegnung der Kirchen mit dem Sport in Frankfurt

Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind am Freitag in Frankfurt zu ihrem Spitzengespräch zusammen getroffen. Inhalt der Gespräche war ein gemeinsames Grundsatzpapier zum Wohl der Menschen und der Gesellschaft. Am Gespräch nahmen auch DJK-Präsident Volker Monnerjahn und der Geistliche Bundesbeirat Hans-Gerd Schütt teil.

Mehr unter Spitzengespräch
und Grundsatzpapier


Interview mit dem ehemaligen Trierer Bischof Marx zum Katholikentag und die Verbindung zwischen Kirche und Sport

Das Saarland erwartet voller Vorfreude den 96. Deutschen Katholikentag vom 24. bis 28. Mai in Saarbrücken. Unter den erwarteten 20 000 Dauer- und 10 000 Tagesgästen befinden sich auch viele Sportler, die sich unter dem Kirchentags-Leitwort „Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht“ an den mehr als tausend Veranstaltungen in der Innenstadt mit bemerkenswerten Präsentationen beteiligen.

Der Katholikentag in Saarbrücken soll dem Dialog mit den gesellschaftlich relevanten Gruppen, verschiedenen Alters- und Zielgruppen, dienen. Kann das eine solche Mammutveranstaltung?

Bischof Prof. Reinhard Marx: Katholikentage bestehen ja nicht nur aus den großen Hauptveranstaltungen sondern aus der Vielzahl von einzelnen Angeboten. Die Palette der Möglichkeiten ist groß und die Möglichkeit zu direkter Kommunikation, zu Gedankenaustausch und kontroversen Diskussionen ist gegeben. Der Saarbrücker Katholikentag wird diese gute und bewährte Tradition weiterführen.

Was erwarten Sie persönlich vom Katholikentag?

Bischof Marx: Eine Ermutigung. Ich bin sicher, dass unser Treffen ein Fest des Glaubens, der gemeinsam gefeierten Gottesdienste, der Lieder und der Freude an Gottes froh machender und befreiender Botschaft sein wird. Das Bistum Trier wird für den Saarbrücker Katholikentag ein guter Gastgeber sein. Ganz wichtig ist mir aber auch, dass wir zum Thema Gerechtigkeit Impulse setzen können und damit die gesellschaftliche Debatte bereichern werden. Die Kirche muss sich in Fragen der Gerechtigkeit einmischen und Katholikentage bieten dafür eine gute Chance.

Die Kirche engagiert sich auch im Sport. Ist das nicht eine ungewöhnliche Verbindung?

Bischof Marx: Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Schon der Apostel Paulus hat dazu aufgerufen, sich am Einsatz der Läufer im Stadion ein Beispiel zu nehmen. Sich für ein Ziel engagieren und alles daran setzen es fair zu erreichen ist beispielhaft. Das haben die Olympischen Winterspiele in Turin wieder einmal gezeigt.

Wo liegen die speziellen Ziele – welche Werte sollen herausgearbeitet werden?

Bischof Marx: Papst Benedikt hat zur Eröffnung der Winterspiele in Turin seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, dass „dieser schöne sportliche Wettkampf im Zeichen der olympischen Werte – Fairness, Freude und Brüderlichkeit – verläuft und so einen Beitrag zum Frieden zwischen den Völkern leistet“. Gerade für die Jugend ist Sport die Möglichkeit zu sinnvoller Zeitgestaltung, bietet eine Möglichkeit sich Herausforderungen zu stellen und an die eigenen Grenzen zugehen. Sportliches Engagement ist ein gutes Signal gegen Lethargie und Gleichgültigkeit und fördert den Teamgeist.

Am größten deutschen Laientreffen im Mai beteiligen sich auch der LAK „Kirche und Sport“ zusammen mit dem Saarländischen Leichtathletikbund und dem DJK-Sportverband des Bistums. Was können sie mit ihren Aktionen bewirken?

Bischof Marx: Interesse wecken für gemeinsame Ideale und sichtbar machen, dass Kirche und Sport nicht verschiedene Welten sind. Es wäre schön, wenn sich viele sportbegeisterte Christen diesen Gruppen neu anschließen würden.

Wirft die Welt des Sports für die Kirche nicht auch eine Fülle ethischer Fragen auf?

Bischof Marx: Sicher, aber die primäre Aufgabe der Kirche ist nicht der Zeigefinger. Sorge bereitet mir aber schon der manchmal gefährliche und menschenverachtende Umgang mit Doping und Leistungsdruck, der dem ursprünglichen Charakter des Sports zuwiderläuft. Bedenklich finde ich auch bisweilen die Entwicklung beim Thema Preisgelder und welche Unsummen für manche Spitzensportler gezahlt werden.

Wie kann sich der Sport noch besser in die Kirche integrieren?

Bischof Marx: Sportler und Sportlerinnen sind wie alle Menschen sehr herzlich willkommen. In einem Punkt wünsche ich mir eine leicht machbare Verbesserung: Sportveranstaltungen am Sonntagmorgen hindern sportbegeisterte Christen, vor allem Jugendliche, an der Teilnahme am Sonntagsgottesdienst oder bringen sie in unnötige Entscheidungsnöte. Hier wünsche ich mir von den Verantwortlichen mehr Sensibilität und Respekt vor unserer immer noch christlich geprägten Kultur.

Wie halten Sie sich fit – und welche Sportart sehen Sie am liebsten?

Bischof Marx: Ich besitze ein Fahrrad und an dieser Formulierung merken Sie, dass dies ein wunder Punkt ist. Ich müsste es öfter nutzen…zugegeben! Aber ich kann mich schon begeistern über die sportlichen Leistungen anderer.

INTERVIEW: WOLFGANG WEBER, Magazin Saarsport, Ausgabe April 2006 Seite18/19


Kirche und Sport im ökumenischen Gleichschritt

Von Walter Perlitius, DJK-DV Münster

Die Mitglieder des Arbeitskreises “Kirche und Sport” in der katholischen Kirche Deutschlands trafen sich im November im Bildungshaus “Maria an der Sonne” in Schmerlenbach bei Aschaffenburg zu ihrer diesjährigen Vollversammlung.

Die zweitägige Veranstaltung wurde durch den neuen Sportbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Olympiapfarrer Hans-Gerd (“Paul”) Schütt, mit einem umfassenden Tätigkeitsbericht über das Jahr 2003 eröffnet. Danach sind die Kontakte, die sein Vorgänger Michael Kühn geknüpft hat, und die Positionen innerhalb der Arbeitsebenen der Bischofskonferenz speziell zu der Zentralstelle Pastoral und der Jugendkommission erweitert und vertieft worden. Erstmals nahm Hans-Gerd Schütt, der gleichzeitig der Geistliche Bundesbeirat der DJK ist, an einer AK Sport-Vertreterversammlung der evangelischen Kirche Deutschlands teils und brachte von dort den Wunsch mit, dass im nächsten Jahr die Versammlungen beider Arbeitskreise in ökumenischer Verbundenheit zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort und zumindest zeitweise gemeinsam stattfinden sollten. Sein Eindruck nach vielen Besuchen überregionaler Sportveranstaltungen ist, dass der Sport ein wichtiges Feld der Seelsorge geworden ist und weiterhin sein wird.

Die Berichte der Landesarbeitskreise “Kirche und Sport”, die teilweise schon ökumenisch ausgerichtet sind, lassen eine Vielzahl von Aktivitäten erkennen: In der Diözese Limburg werden die seit zehn Jahren initiierten Sportexerzitien nicht nur erfolgreich weitergeführt, sondern auch in den Universitäten Marburg und Bamberg und bereits im tchechsichen Olmütz angeboten. In der Diözese Essen versucht eine Arbeitsgruppe, die Zahl der geistlichen Beiräte in den DJK-Sportvereinen zu vergrößern. Durch Aus- und Fortbildung soll der Wissenstand der Pfarrer, Diakone und Pastoralreferenten über ihre Aufgaben in den Sportvereinen und in der Verbandsarbeit vertieft werden.

In der Diözese Trier soll ein DJK-Floh die Kinder und Jugendlichen pieksen, damit ihnen der Dreiklang, sachgerechter Sport, verantwortungsbewusste Gemeinschaft und christliche Wertorientierung, bewusst wird. In der Erzdiözese München/Freising hat nach der Verabschiedung des langjährigen Olympiapfarrers Heinz Summerer der Pastoralreferent Helmut Betz die Organisation der vielen Seminare, Lehrgänge und Wallfahrten bis hin zu den Bergexerzitien übernommen.

Der Landesarbeitskreis “Kirche und Sport” in Berlin/Brandenburg hat eine hochkarätige Seminarveranstaltung zum Thema “Friedenserziehung durch Sport” durchgeführt und viel Überzeugungsarbeit für den Bau einer Kapelle im neuen Olympiastadion geleistet. Der Vorsitzende des LAK Nordrhein-Westfalen, Friedhelm Kreiß, wies in einem Kurzreferat auf die Schwachstellen der Arbeit in den LAK hin. Er schlug vor, auf Bundesebene eine gemeinsame Vereinbarung über ein Logo und eine Informationsschrift zu treffen, die Kommunikation durch Anschriftenaustausch und Materialverteilung zu verbessern und die LAK in die Arbeit der Kontaktkommission einzubeziehen.

Dr. Wolfgang Reifenberg, der Präsident des DJK-Bundesverbandes, teilte als erfreuliche Nachricht mit, dass die DJK mit Stephanie Hofschlaeger eine neue Generalsekretärin zum 01.01.2004 eingestellt habe. Als betrübliche Nachricht teilte er mit, dass die DJK-Sportschule in Münster (ab 01.01.2004 Bildungs- und Sportzentrum “Kardinal von Galen”) vom Verband der deutschen Diözesen ab 2006 voraussichtlich keinen Betriebskostenzuschuss mehr erhalten wird.

In der Diskussion wurde das Jahresthema 2004 “Erziehung durch Sport” von allen Teilnehmern begrüßt und als Chance angesehen, die Bedeutung des Sports für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in der Öffentlichkeit darzustellen. Im Schlusswort bestätigte “Paul” Schütt, dass der AK Kirche und Sport bei den anstehenden Großveranstaltungen 2005 (Deutschen Turnfest in Berlin, DJK-Bundessportfest in Münster, Weltjugendtag in Köln, World Games in Duisburg) präsent sein wird.


Walter Perlitius ist Vertreter des DJK-Diözesanverbandes Münster im Arbeitskreis “Kirche und Sport”, Hier sein Bericht über die Vollversammlung in Schmerlenbach bei Aschaffenburg (2003)


Die herrlichste Nebensache der Welt

Von Pfr. Karl-Heinz Pfeiffer

u.a. Geistlicher Beirat des DJK-Landesverbandes Saarland, + 1998

Ich bin ein Fußballfan. Ja, ich kann mich an exakten Vorlagen, wuchtig geschlagenen Querpässen, zentimetergenau herein gegebenen Flanken und geschickt heraus gespielten Toren begeistern. Fußball fasziniert mich. Warum wohl? Was steckt in diesem Spiel, dass es Millionen Menschen packt, erregt, bewegt und in wochenlanger Spannung hält?

Nach einer Statistik haben 70 Prozent aller deutschen Männer und auch ein paar Prozent der Frauen selber einmal aktiv Fußball gespielt. Deshalb fühlen sich diese ehemaligen Akteure als Experten, als Könner und Kenner dieses Spiels. Übrigens bestätigt eine Untersuchung dieses Expertenerlebnis: Ein Mensch behält zehn Prozent von dem, was er gelesen, 20 Prozent von dem, was er gesehen, 50 Prozent von dem, was er gesehen und gehört hat, und fast 90 Prozent von dem, was er erlitten hat und worum er kämpfen musste. Und wie kann man als Fußballer oder Zuschauer leiden! Und wie muss man oft um den Sieg kämpfen und bangen!

Andere Gründe für die Faszination des runden Leders zeigt eine Untersuchung des
amerikanischen Fernsehens. Zwölf Programme wurden getestet, um die Eigenschaft eines Spitzenprogramms zu ermitteln. Folgende Qualitäten muss ein attraktives Fernsehprogramm haben: Es muss live sein, eine menschliche Tragödie enthalten, aus vielen Wettkampfelementen bestehen und einen ungewissen Ausgang haben. Genau diese Eigenschaften treffen auf ein Fußballspiel zu.

Noch eine letzte Ursache für das Phänomen Fußball, Fußball ist ein Spiel, das heißt ein
sinnvolles, aber zweckfreies Tun, zumindest für viele noch echte Amateure und Millionen von Zuschauern. In einer Zeit, wo man mit Computern programmiert und kalkuliert, muss es Menschen geben, die nicht immer das Leben nach Bilanzen und Verdienst ausmessen, sondern nach der Freude und Begeisterung, die es schenkt. Sie finden auf diese Weise ein bisschen helles Glück in unserer oft so dunklen Welt. Und jetzt kann ich auch einen biblischen Text ins Spiel bringen. Jesus von Nazareth sagte: “Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.” Kinder können und wollen spielen, gläubig vertrauend und hoffend auf Erwachsene, die in einem solchen Tun einen echten Sinn sehen und die kindliche Existenz bestätigen und bejahen. Steckt nicht hinter diesem Jesuswort eine urmenschliche Erfahrung? Nur der spielende, also von Zwecken freie Mensch ist der für Gott und seine Verheißung offene Mensch.

Ein für mich als Fußballfan nicht gelöstes Problem ist die Frage: Warum können wir so schwer verlieren? Ein Sportreporter schrieb einmal: “Als die Mannschaft zusammenbrach, standen die Trainer ratlos. Sie hatten alles trainiert, nur nicht die Niederlage.” Muss man – angesichts einer Mannschaft, die als Verlierer weinend, schimpfend verbittert und verbissen vom Platz geht – nicht fragen: Sollte man nicht auch eine Niederlage trainieren? Wie müsste ein solches Training aussehen? Zunächst gilt es einmal, gelassen festzustellen: Jedes Fußballmatch ist ein Spiel und kein Krieg auf dem grünen Rasen. Darum ist eine Niederlage keine nationale oder regionale Katastrophe. Der Wert eines Volkes, einer Stadt oder einer Gemeinde zeigt sich nicht in gewonnenen Fußballspielen, sondern in der geistigen Ausrichtung, der sittlichen Kraft, den kulturellen Leistungen und ganz besonders in den Bemühungen um eine menschlichere Welt.
So wächst auch nach einer Niederlage das menschliche, politische, gesellschaftliche
und religiöse Leben weiter und die Sonne der Humanität soll über Sieger und Besiegte
verheißungsvoll auf- und untergehen.

Warum fällt es uns Menschen so schwer – ob Spieler einer Fußballmannschaft, Mitglied einer Partei, Angehöriger einer Kirche – zuzugeben: Ein anderer kann mehr weiß mehr, leistet mehr, ist einfach besser und darum Sieger. Warum benehmen wir uns oft wie Trichinenbeschauer auf einem Schlachthof und suchen nach dunklen und unlauteren Motiven beim Gewinner? Nach einem verlorenen Fußballspiel heißt es: Der Trainer hatte den falschen Mann aufgestellt, der Rasen war zu schwer, das Publikum zu einseitig, der Schiedsrichter hat nur für die Sieger gepfiffen. Und sonst im Leben? Wenn jemand befördert wird oder gesellschaftlichen Erfolg hat, dann sagen wir: Ehrgeiz, Angeberei und Eitelkeit spielen eine Rolle. Und fromme Leute erklären mit schmalen, bissigen Lippen: Er oder sie ist stolz, überheblich, ihm oder ihr fehlt die wahre Demut.

Warum fällt es uns allen so schwer, zuzugeben: der Mann oder die Frau war besser,
geschickter, konzentriert und phantasiereicher als ich? Die Antwort lautet: weil unten, in den Tiefenschichten unserer Seele, die trüben Wasser des Neides brodeln. Ist es nicht seltsam, viele Menschen lassen sich kritisch sagen, sie seien impulsiv, verschwenderisch, manchmal nicht so ganz pflichtgetreu und korrekt. Aber neidisch will keiner sein, da schlagen die Betroffenen hart zu. Es gibt leider in unserer Seele nicht nur helle Räume, sondern auch die Rumpelkammern des Unterbewusstseins mit viel Unrat und trüben Quellen. Darum müssen Niederlagen trainiert und aufgearbeitet werden. Dazu braucht man eine bestimmte Haltung, ich nenne sie einmal die “aktive Gelassenheit”. Der gelassene Mensch bleibt zwar nicht unberührt von Ereignissen; er wird weder von der Begeisterung ganz überflutet noch von der Traurigkeit total erdrückt.

Der Apostel Paulus hat offenbar auch um das Problem Sieg und Niederlage gewusst. Er schreibt in einem seiner Briefe: “Es sollen alle, die traurig sind, sich nicht von der Trauer
gefangen nehmen lassen und die allzu Begeisterten nicht von ihrer Begeisterung. Deswegen möchte ich einen Salut für alle guten Verlierer aussprechen. Denn noch immer gehört es zu den großen Zeichen wahrer Menschlichkeit, mit Würde verlieren zu können. Gelingt es nicht, könnte folgendes Zitat für überhebliche Sieger wenigstens eine Anfrage, vielleicht auch eine Anklage zum Nachdenken sein: “Willst du immer auf der Seite des Siegers stehen, verbinde dich stets mit dem Stärkeren, dann aber jage dein Gewissen mitsamt dem Verlierer davon.” Ich meine, unser Platz als Mensch und Christ – ob Sieger oder Verlierer – sollte immer in der Nähe der Verlierer sein.


Ludwig Wolker

Ludwig Wolker, der Sportprälat

Ludwig Wolker wird am 08. April 1887 in München geboren. Nach seiner Priesterweihe 1912 wird er Kaplan in Freilassing und ab 1915 Religionslehrer in München. 1925 wird er zum Landespräses der Jugend- und Jungmännervereine in Bayern ernannt. Nach dem Tode von Carl Mosterts wählen ihn die Vertreter der deutschen Diözesen am 09. November 1926 zum Generalpräses des Jungmännerverbandes und zum Geistlichen Leiter des Sportverbandes Deutsche Jugendkraft. Wolker gibt der DJK bis zu ihrer Auflösung 1935 das Gepräge. Gemeinsam mit den Führungsgremien gestaltet er neben einer intensiven Bildungsarbeit die DJK-Reichstreffen 1927 in Köln und 1932 in Dortmund. Im Kampf mit dem Nationalsozialismus leistet er schon bald Widerstand. Der damalige Reichsführer der DJK, Adalbert Probst, wird an seiner Seite in Braunlage verhaftet und bald danach erschossen. Er selbst wird 1936 von der Gestapo verhaftet und sitzt drei Monate im Gefängnis.

Am 09. November 1945 erhält Wolker von der Deutschen Bischofskonferenz den Auftrag zum Wiederaufbau der kirchlichen Jugendarbeit, den er mit der Gründung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) 1947 in Hardehausen beginnt. Im selben Jahr wird unter seiner Regie in Düsseldorf am 05. Oktober die „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Jugendkraft“ gegründet, nachdem er den Rat der Diözesanjugendseelsorger Deutschlands eingeholt hat.

Er hilft mit beim Aufbau des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen und ist dessen Vorstandsmitglied. Wesentlichen Anteil hat Prälat Wolker bei der Vorbereitung und Gründung des Deutschen Sportbundes (DSB) am 10. Dezember 1950 in Hannover. Für viele Jahre gilt Wolker als kluger, versierter Ratgeber und einflussreiche Kraft im Deutschen Sportbund, dessen Präsidialmitglied er ist. Ebenso ist er Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Zu seinen sportlichen Freunden zählen u.a. Carl Diem, Dr. Peco Bauwens und der junge Willi Daume, den er zum DSB-Präsidenten vorschlägt und der dann als erster Präsident des Deutschen Sportbundes gewählt wird.

Aus der hervorragenden Stellung Wolkers im deutschen Sport und in der Kirche ist es zu verstehen, dass er die Deutsche Jugendkraft nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in eine regionale und separate Enge treiben will, sondern sie in voller Entfaltung ihrer Eigenständigkeit in der Mitgliedschaft des DSB dem Sport in Deutschland zuführt.

Im DSB ist Prälat Wolker bis zur Stunde unvergessen. Neben seinen sportlichen Verdiensten hat er sich vor allem um die sportliche Moral, um das Ethos im Sport, verdient gemacht. Im Gedenken an diese Impulse hat der DSB 1980 eine Wolker-Plakette gestiftet. Sie wird Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen, die sich in hervorragender Weise für das Ethos im Sport einsetzen.

Er stirbt am 17. Juli 1955 in Milano Marittima. Sein Grab befindet sich neben dem seines Vorgängers Carl Mosterts auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof